Monatsgedanken - Dezember

Keine Trennung als Weihnachtswunder

Das Wunder von Weihnachten hat es nur deshalb gegeben, so gibt uns der Evangelist Matthäus zu verstehen, weil ein Mann auf seine Träume geachtet hat. 
Ohne die Träume von Josef und den Weisen aus dem Morgenland hätte das Kind in der Krippe nicht lange überlebt. Von den fünf Träumen in der Weihnachtsgeschichte ist der erste, der alles entscheidende Traum: Der Traum besagt: Josef, verlass deine Verlobte Maria nicht!
Wenn man die Weihnachtsgeschichte auf sich wirken lässt, merkt man, dass der Schlüssel für Josefs Verhalten hier in diesem Traum liegt. Josef wird im Traum angesprochen. Er soll sich als Mann nicht in der Ehre gekränkt fühlen, sondern weiterhin zu Maria halten, auch wenn er nicht versteht, wie Maria nun schwanger geworden ist. Seine Absicht vor dem Traum ist es ja gewesen, sich heimlich von Maria zu trennen. Heimlich und diskret will er das tun, damit Maria möglichst wenig Schwierigkeiten bekommt (und sich vielleicht noch der richtige Vater mit Maria verheiratet? Wer weiss). 
Josef vor und nach dem Traum: Er ist ein Mann, der nicht den Pascha und den Gekränkten lauthals geben muss, sondern einer, der Rücksicht nimmt. Der Traum, der ihm die Gewissheit bringt, Maria nun doch nicht zu verlassen, nimmt diesen Charakterzug auf. So kreiert die biblische Weihnachtsgeschichte mit Josef eine wunderbare Weihnachtsrolle, die heute auch für ein modernes Männerbild stehen kann. Josef wird von Matthäus als Mann mit aufrechter Gesinnung geschildert, der sich nicht so wichtig nimmt und sich auch auf Unverständliches einlässt. 
Aber man kann sich die Frage dennoch stellen: Warum trennt sich Josef nicht?
Der Himmel jedenfalls verbietet ihm die Trennung nicht. Kein Gebot, kein Befehl kommt über die Lippen des Engels im Traum. «Fürchte dich nicht», sagt der Engel zu ihm.
Wir können viel von Josef lernen. Man kann von ihm Geduld und Nachsicht lernen, oder auch, dass Boten von Gott auftauchen können und einem etwas zu sagen haben. 
Grossartig finde ich, dass der Engel in ihm ein Vertrauen weckt, so dass er seine Pläne ändert und eine Sachlage neu beurteilt, wenn der Traum vorbei ist. Josef ist ein Lebenskünstler, weil er dem Wunder in seinem Leben einen Platz geben kann, ohne Furcht.
Frohe Weihnachten!
Pfrn. Carola Jost-Franz

 

 

Gedanken aus der Kirchenpflege

Frieden
Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spiesse zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Luther-Bibel, Micha 4, 1-4

Wir leben in stürmischen Zeiten. Nahezu täglich prasseln neue Nachrichten auf uns ein, die, für sich genommen, in der Vergangenheit bereits eine veritable Krise bedeutet hätten. Es schleicht sich beinahe so etwas wie ein Gewöhnungseffekt ein. Zumindest kann ich das bei mir beobachten. Jedenfalls versuche ich mich dagegen zu wehren.
Insbesondere der Krieg, der mit ungeminderter Intensität auf dem Boden der Ukraine und damit in Europa stattfindet, beschäftigt und beunruhigt unsere Familie. Wir diskutieren über 3 Generationen hinweg und beschreiben uns gegenseitig unsere Ängste und Eindrücke. Mein Vater, am Ende des Zweiten Weltkriegs ein knapp 5-jähriges Kind in Deutschland, hört plötzlich in seinen Träumen die Sirenen des Luftalarms.
Ich selbst beschäftige mich notgedrungen mit dem Thema Frieden seit langer Zeit erstmals wieder intensiv. Zuletzt war es in den 80-iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir lebten damals in Ostdeutschland und waren aktive Mitglieder in der Kirche, ein Unding im real existierenden Sozialismus. «Schwerter zu Pflugscharen» war unser Leitsatz, mein ältester Bruder trug es als Aufnäher auf der Jeansjacke (aus Westproduktion). Er handelte sich damit eine Strafe ein. Frieden und Friedensliebe wurden offensichtlich aus unterschiedlichen Perspektiven heraus betrachtet. Dies ist heute leider immer noch so. 
Ich wünsche uns allen, vor allem den von Kriegen betroffenen Menschen, dass sich nun endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass Krieg nur Opfer hinterlässt und Gerechtigkeit die Grundlage eines friedvollen Zusammenlebens ist. 
Ulrich Schilling, Ressort Finanzen

 

 

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